Wie erfolgt die Gestaltung dieser Angebote?

Die Website sollte in jedem Fall eine einfache und übersichtliche Struktur haben. Eine Ansprechperson für behinderte Menschen sollte genannt werden und einfach zu finden sein.

Als Leitlinie für barrierefreie Internetseiten können die Vorgaben der Bundesverordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik (BITV 2.0) nach dem Behindertengleichstellungsgesetz vom 12. September 2011 dienen.

Die BITV 2.0

Die BITV 2.0 soll gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen die Informationen aller öffentlichen Internetauftritte und -angebote der Einrichtungen der Bundesverwaltung grundsätzlich uneingeschränkt nutzen können. Sie trägt der Umsetzung des Artikels 9 der UN-Behindertenrechtskonvention Rechnung, der fordert, dass Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien haben müssen.
Die neue Verordnung löst die bislang geltende BITV 1.0 ab. Übergangsweise gelten jedoch noch weiterhin die Regelungen der alten Fassung. Bei der Neugestaltung und bei größeren Umgestaltungen von Internetauftritten und -angeboten der Bundesbehörden ist die BITV 2.0 spätestens seit dem 23. März 2012 zu beachten. Für bestehende Angebote sind weitere, gestaffelte Fristen vorgesehen.

Aufbau und Prinzipien der BITV 2.0

Zunächst einmal sind die Anforderungen der BITV 2.0 nach 2 Prioritätsstufen gegliedert:

  • Priorität I - Alle Angebote müssen diese Priorität erfüllen
  • Priorität II - Diese Anforderungen gelten für Einstiegsangebote (Portale) und die zentrale Navigationsstruktur einer Seite.

Die BITV 2 basiert auf vier Prinzipien: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und technologische Robustheit. Für ein optimal barrierefreies Internetangebot sind innerhalb dieser 4 Prinzipien verschiedene Anforderungen und Bedingungen zu erfüllen.

Wahrnehmbarkeit
Die Anforderungen des Prinzips Wahrnehmbarkeit stellen sicher, dass für Bilder, Videos und Tondokumente Alternativen bereitgestellt werden. So wird gewährleistet, dass Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen einen gleichwertigen Zugang zu Informationen erhalten. Darüber hinaus sind gut strukturierte Inhalte, ausreichende Kontraste und eine flexible Darstellung Grundbausteine einer benutzerfreundlichen und barrierefrei zugänglichen Website.

Praxisbeispiele:

  • Video und Audio auf Startseite -> Alternative in Deutscher Gebärdensprache oder zumindest textliche Alternative
  • Bilder, Grafiken und Diagramme mit einer Beschreibung unterlegen, die von blinden und sehbehinderten Menschen akustisch oder in Brailleschrift wahrgenommen werden kann

Bedienbarkeit
Ziel des Prinzips ist es, dass Nutzer intuitiv erkennen, wie Bedienelemente und Navigation aufgebaut sind und funktionieren. Technische Barrieren, die eine Bedienung der Seite erschweren oder verzögern, sind zu vermeiden.

Praxisbeispiele:

  • Bei Flash oder Java vollständige Bedienbarkeit über Tastatur sicherstellen
  • Ziel und Sinn eines Links müssen aus dem Kontext oder dem Linktext erkennbar sein

Verständlichkeit
Zum Verständnis einer Website trägt nicht nur eine dem Thema angemessene möglichst klare Sprache bei, sondern auch eine einfache Navigation, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigt.

Praxisbeispiele:

  • Sitemap,
  • Rootline (Brotkrumenpfad)
  • angemessene Sprache

Robustheit
Eine Website sollte mit unterschiedlichen Browsern, aber auch mit assistiven Technologien wie zum Beispiel Screenreadern ohne Einschränkungen genutzt werden können. Möglich wird dies durch die Verwendung einheitlicher Webstandards.

Praxisbeispiele:

  • Webseite mit unterschiedlichen Browsern testen
  • Wenn Javascript, dann testen mit Screenreadern
Grundlage für die BITV 2.0: Die WCAG 2.0

Die BITV 2.0 basiert auf den Ende 2008 verabschiedeten Internationalen Leitlinien für Webinhalte WCAG 2.0 („Web Content Accessibility Guidelines 2.0“). Diese Anforderungen und Bedingungen finden sich in der Anlage 1 zur BITV 2.0 wieder und gelten für bestehende Internetauftritte und -angebote spätestens ab dem 23. September 2012. Darüber hinaus sieht die neue Verordnung vor, dass die Bundesbehörden Informationen für gehörlose und hörbehinderte sowie lern- und geistig behinderte Menschen in Deutscher Gebärdensprache sowie in Leichter Sprache zur Verfügung stellen. Dies sollen insbesondere Informationen sein

  • zu wesentlichen Inhalten des Auftritts bzw. zu den Angeboten der Behörde,
  • zur Navigation im Webauftritt sowie
  • falls vorhanden, zu weiteren, im Auftritt verfügbaren Informationen in Deutscher Gebärdensprache bzw. in Leichter Sprache.

Die Mindestanforderungen an diese Informationen in Deutscher Gebärdensprache bzw. Leichter Sprache wurden in Zusammenarbeit mit den Verbänden gehörloser und hörbehinderter Menschen bzw. mit den Verbänden der lern- und geistig behinderten Menschen entwickelt und sind in der Anlage 2 zur BITV 2.0 aufgeführt. Bestehende Internetauftritte und -angebote müssen spätestens ab dem 23. März 2014 entsprechende Informationen in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache anbieten.


Allerdings weicht BITV 2.0 in einigen Vorgaben von den WCAG 2.0 Richtlinien ab, wie z.B. dem Konzept der Konformitätsstufen, und stellt somit einen deutschen Sonderweg dar - auch wenn einige dieser Abweichungen "nur" Priorität 2 sind. Erfahrungsgemäß werden die Bundesländer nachziehen und die Bundes-BITV zumeist nicht vollständig übernehmen. Dadurch droht eine weitere Fragmentierung statt Harmonisierung. Die Verordnung könnte sich nach Ansicht verschiedener Experten in dieser Form bald überlebt haben. Klaus-Peter Wegge vom Siemens Accessibility Competence Center schreibt z.B. in einer Stellungnahme: "Sie (die BITV) kommt 3 Jahre zu spät und wird in absehbarer Zeit durch europäisch einheitliche Regeln (WCAG-2.0-Übernahme) abgelöst..."

Testen von Internetseiten

Tools zur Unterstützung und Selbstbewertung (Auswahl)

Kostenpflichtige Tests (Auswahl)

Informationen zu barrierefreien pdf-Dokumenten

Wo kann ich Fragen stellen?

Foren, Infotheken und Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um barrierefreie Internet- und Intranetseiten:

Internetangebote von Initiativen und Instituten:

  • Die Website der Initiative "Einfach für @lle" der "Aktion Mensch" enthält zehn konkrete Regeln zur barrierefreien Internetgestaltung, Tutorials und ein breites Diskussionsforum zum Thema "Zugänglichkeit".
  • Der Fachausschuss für Informations- und Telekommunikationssysteme der Blinden- und Sehbehindertenverbände (FIT) stellt seine Minimalanforderungen vor, wie Web-Seiten gestaltet sein sollten und wie grafische Programmoberflächen programmiert werden sollten, damit sie für Blinde und Sehbehinderte zugänglich sind.
  • Das Netzwerk Digitale Chancen an der Universität Bremen (NDC) ist ein zentrales Verzeichnis öffentlich zugänglicher Internetzugangs- und -Lernorte in Deutschland. Informationen zur Internetnutzung durch Menschen mit Behinderung, Tipps zur barrierefreien Einrichtung von Internet-Cafés und Hinweise zur barrierefreien Internetgestaltung runden das Internetangebot ab. 
  • Die Web Accessibility Initiative (WAI)-Richtlinien des "World Wide Web Consortiums" (W3C) bieten fundierte und detaillierte Anhaltspunkte zur Programmierung barrierefreier Internetseiten (Informationen in Englisch, nicht autorisierte deutsche Übersetzung der WAI-Richtlinien vorhanden).
  • Das Projekt "Web for All" des Vereins zur beruflichen Integration und Qualifikation e.V. bietet Empfehlungen, konkrete Lösungsmöglichkeiten, Beratung und Überprüfung rund um das Thema "Erstellen barrierefreier Internetseiten".

Das Ministerium als Ansprechpartner:

Für generelle Fragen steht Ihnen auch das Referat "Gleichstellung und Selbstbestimmung / Barrierefreiheit" zur Verfügung.

Anschrift:
Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie
Referat 644
Bauhofstraße 9
55116 Mainz
Telefon: Zentrale: 06131 / 16 - 0

Zuständig:    
Herr Michael Wahl
Tel.: 06131/16-2068
Michael.Wahl(at)msagd.rlp.de

Quellenangaben und weiterführende Links
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