Beauftragte Landkreis Kusel

Besonderes Engagement für die Belange behinderter Menschen im Landkreis Kusel - Ein Portrait über Elke Klink

Seit Jahren setzt sich Elke Klink mit Erfolg für die Teilhabe und Selbstbestimmung behinderter Menschen ein. 2008 erhielt die Beauftragte für die Belange behinderter Menschen des Landkreis Kusel den mit 2.500 Euro dotierten ersten Preis des rheinland-pfälzischen Landesbehindertenbeauftragten für kommunale Beauftragte und –beiräte. Nicht zuletzt diese Auszeichnung war der Grund, um die Arbeit von Elke Klink etwas genauer zu betrachten.

Zunächst einmal ist Elke Klink direkte Ansprechpartnerin für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Kusel. Sie berät und betreut diese individuell und versucht vor Ort Hilfestellungen zu geben. Hierbei geht es oftmals um barrierefreies Wohnen und entsprechende Wohnraumanpassungen sowie Fragen der Betreuung. Aufgrund ihrer eigenen Behinderung hat Elke Klink einen besonderen Zugang zu den Betroffenen, da sie die Bedürfnisse behinderter Menschen kennt.

Eine weitere große Gruppe Hilfesuchender sind Eltern behinderter Kinder. Schulische Integration, Schülerbeförderung, Unterstützung bei der Kfz- Beschaffung und -Finanzierung oder Eingliederungshilfe sind nur einige Themen, bei denen Elke Klink den Ratsuchenden zur Seite steht. Vor allem erstgenannte schulische Integration behinderter Kinder ist ihr wichtig. Gerade die Schwerpunktschulen im Landkreis berät sie deshalb entsprechend. Besonders erwähnenswert ist in diesem Kontext ein von ihr initiiertes Projekt, bei dem nichtbehinderte Jugendliche und Jugendliche mit Behinderungen ihre Freizeit gemeinsam gestalten.

Weiterhin beschäftigt sich Elke Klink mit den Themen Grad der Behinderung, Schwerbehindertenausweise, Nachteilsausgleiche, Rehabilitation sowie Rente und Pflege. Die Beauftragte leistet hier oft die Arbeit einer Servicestelle und nutzt ihren Einfluss, um auf die Träger entsprechend Druck auszuüben. Auch versucht Frau Klink für ihre arbeitssuchenden Klienten Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze zu organisieren und die Bewerber zu coachen. Einen Ausbildungsplatz und zwei Praktika konnte sie bisher vermitteln.

„Der Landkreis hat mit der Berufung von Frau Klink in dieses Amt die richtigen Weichen gestellt“, erklärte Landrat Dr. Hirschberger, Es habe sich gezeigt, dass das Thema Behinderung dann an öffentlicher Wahrnehmung und Bedeutung gewinnt, wenn damit eine Persönlichkeit, ein Name und ein Gesicht verbunden sei. Frau Klink sei zudem Motor der Gleichstellung, indem sie auf die Teilhabe an den regulären Möglichkeiten in unserer Gesellschaft in den Bereichen Erziehung, Bildung, Arbeit und Beruf, Wohnen und Freizeit hinwirke.

Elke Klink pflegt mit vielen Organisationen, Verbänden und Einrichtungen im Kreis einen engen Kontakt. Sie ist stolz darauf, dass mit einem Lebensmittelmarkt und einem Cafe-Bistro, in denen jeweils ein hoher Anteil behinderter Menschen beschäftigt ist, die Idee der Integrationsfirmen vorangetrieben werden konnte. Der Rat von Elke Klink ist auch über die Kreisgrenzen hinaus gefragt, wirkt sie doch überaus engagiert in mehreren Landesgremien mit.

Behindertenbeauftragter Stadt Zweibrücken

Vielfältige Hilfestellungen für Menschen mit Behinderung - Ein Portrait über Gerd Kaufeld, Behindertenbeauftragter der Stadt Zweibrücken

Seit nunmehr 18 Jahren engagiert sich Gerd Kaufeld für die Belange behinderter Menschen. Als Behindertenbeauftragter der Stadt Zweibrücken berät und unterstützt er Hilfesuchende bei ihren Anliegen. Hierbei sind seine Aufgaben sehr vielschichtig. Im Rahmen der täglichen Sprechzeiten bearbeitet er jährlich etwa 300 Anträge auf Anerkennung der Behinderung oder Widersprüche nach SGB IX. Begleitend hierzu werden die Hilfesuchenden intensiv darüber beraten, inwieweit Nachteilsausgleiche in Anspruch genommen und Hilfen bei den verschiedenen Leis­tungsträgern beantragt werden können.

Gerd Kaufeld hilft im Rahmen seiner Sprechstunden auch behinderten Menschen auf der Suche nach Arbeit und ist behilflich bei der Erstellung von Bewerbungsschreiben. In Einzelfällen sucht er besonders mobilitäts­eingeschränkte Menschen auch zu Hause auf. Auch setzt er sich als Vertrauensmann der schwerbehinderten Verwaltungsmitarbeiter dafür ein, dass bei Stellenbesetzungen behinderte Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden. „Für unsere behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürger ebenso wie für die Verwaltung ist es ein großer Vorteil, dass uns Herr Kaufeld mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen zur Verfügung steht“, würdigt Oberbürgermeister Prof. Dr. Helmut Reichling das Engagement seines Behindertenbeauftragten.

Seit Amtsantritt wirke Gerd Kaufeld darauf hin, dass bei Renovierungs-, Umbau- und Neubaumaßnahmen öffentlicher Gebäude, insbesondere Schulen, die Barrierefreiheit beachtet wird, so Oberbürgermeister Reichling weiter. Zum Beispiel konnte der seit Jahren geplante Umbau der denkmalgeschützten Festhalle, ebenso wie das Eingangsgebäude des Rosengartens, abgeschlossen werden. In diesen Gebäuden wurde - erstmals in Zweibrücken - ein taktiles Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen integriert. Über das Netzwerk der kommunalen Behindertenbeauftragten sowie das Zentrum für Selbst­bestimmtes Leben (ZSL) in Mainz fanden Ortsbegehungen der Mainzer Fußgängerzone statt, um vorab die Funktionalität des so genannten „Main­zer Models“ zu prüfen. Auch mit der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Zweibrücken befindet sich Gerd Kaufeld in regem Kontakt, um die Schaffung barriere­freien Wohnraums zu forcieren. Die Notwendigkeit der Herstellung von Barrierefreiheit und Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft wird durch diese und andere Aktionen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Gerd Kaufeld hat zu allen für behinderte Menschen wichtigen Stellen in Zweibrücken Kontakt und unterstützt auch die Arbeitsgruppe „Barrierefreie Stadt“. Im Jahr 2008 erhielt er den dritten Preis für besonderes Engagement kommunaler Behindertenbeauftragter und –beiräte. Diese Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom rheinland-pfälzischen Landesbehindertenbeauftragten vergeben.

Behindertenbeirat der Stadt Andernach

Interview mit Regina Pickel-Bossau, Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Andernach, über das Integrationsprojekt "Birkenhain"

Können Sie in kurzen Worten das Integrationsprojekt "Birkenhain" beschreiben? Wie kam es dazu?

Selbst körperbehindert, ist Integration mein Leben lang ein Zentralanliegen gewesen. Ich war 40 Jahre im Schuldienst, 25 Jahre in „Sonderschulen“ und anschließend Förderlehrerin in Grundschulen. Ich musste lernen, dass es erhebliche Grenzen in der Integration behinderter Kinder in Schulen gibt. Sobald ich aber Freizeiten mit behinderten und nichtbehinderten Menschen – in den verschiedenen Altersstufen - organisierte, geschah Integration wie von selbst. Ein Schlüsselerlebnis, in Birkenhain das Integrationsprojekt aufzubauen, war: Ich hatte mich für ein stallinternes Turnier angemeldet. In der Vorbereitung saß ich auf einem Hocker an meiner Stute „Stygg“, die mir ihr Huf auf meinen Schoß legte, damit ich ihn ausputzen konnte. Neben mir stand die 7-jährige Lydia, die wie immer fasziniert zuschaute, wie „Stygg“ meine körperlichen Grenzen ausglich. Da kam der Prüfer und erklärte mir: „Sie sind ja körperbehindert. Für Gehunfähige gibt es spezielle Turniere. Sie dürfen hier nicht teilnehmen!“ Bevor ich Einspruch erheben konnte, sagte Lydia im breiten Dialekt: „So ein Quatsch! Regina läuft doch nicht, das macht doch Stygg!“ Als ich dann eine Reit-AG für lernbeeinträchtigte Kinder anbot, waren Lydia und ihre Freundinnen mit dabei. Inzwischen ist es eine Selbstverständlichkeit geworden, dass Integration so weit wie möglich geschieht.

Wie sieht das Angebot aus? Und wer nimmt es wahr?

Birkenhain ist ein Reit- und Therapiehof. Er hat ein breit gefächertes Reit- und Freizeitangebot. Für Anfänger und Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter findet z.B. samstags das „Bambini-Reiten“ statt. An manchen Tagen sind mehr als 60 Kinder auf der Anlage, die reiten, Pferde pflegen, führen, miteinander spielen, erzählen. Die Eltern beeinträchtigter Kinder scheuten zunächst dieses Angebot, wurden aber schnell eines Besseren belehrt. Hieraus entstanden die „Integrationstage“ – der nächste findet am 4.7 statt. Unter einem Motto - dieses Mal „Indianer“ - gestalten die Kinder unter pädagogischer/therapeutischer Fachleitung - alle arbeiten an diesen Tagen ehrenamtlich - einen gemeinsamen Tag. Die Begeisterung und das unglaubliche Vermögen, wie sich an diesen Tagen auch schwerstbehinderte Kinder einbringen – muss man selbst erlebt haben. Die Integrationstage bewegten die Eltern, beeinträchtigte Kinder auch an den Ferienfreizeiten teilnehmen zu lassen, was wiederum bauliche Verbesserungen (u.a. Einrichtung einer rollstuhlgerechten Toilette) auf dem Gelände notwendig machten. Dies alles ist natürlich nur dank des unermüdlichen Engagements der Pächter Frau Montada und Herr Köhne, der Eigentümerin Frau Becker, des gesamten Teams, der finanziellen Hilfen aus der Bevölkerung und umfassenden Unterstützung der Stadt Andernach realisiert worden. So könnte ich viel „initieren“, aber nur dank vieler Menschen wird es Wirklichkeit.

Am 9. Mai finden ja die „Special Olympics“ auf „Birkenhain“ statt. Können Sie den Abonnenten des Newsletters etwas darüber berichten?

„Special Olympics“ ist eine bekannte „Olympiade für geistig und psychisch beeinträchtigte Menschen“. Auf „Birkenhain“ findet sie erstmalig statt in der Disziplin Reiten. Bislang haben sich über 40 Reiter und Reiterinnen aus den Fördereinrichtungen unserer Region angemeldet, die nach überregional geltenden Turnierregeln und Bewertungskriterien ihr Können zeigen (u.a. Führen eines Pferdes durch einen Hindernisparcours). Nach dem letzten Dressur- und Springturnier, bei dem einige unserer beeinträchtigten Freunde begeisterte Zaungäste waren, äußerten sie den Wunsch, in einem speziellen Turnier ihr Können unter Beweis stellen zu können. Wir rechnen mit weit über 200 Gästen, die von 11- 17 Uhr die Special Olympics miterleben wollen. Ob jung oder alt, ob beeinträchtigt oder nichtbehindert, alle „Birkenhainer“ arbeiten jetzt schon ehrenamtlich mit, damit es ein großes Fest auf einer herrlich gestaltenden Reitanlage werden kann.

Wie finanziert sich eine solche Reitanlage?

Die Reitanlage finanziert sich durch die Einnahmen aus den Reit- bzw. Therapiestunden und den zusätzlichen Angeboten, das finanzielle Engagement der Pächter und Spenden aus der Bevölkerung. Hinzu kommen die ehrenamtliche Tätigkeit vieler „Birkenhainer“ und engagierte Personen aus Andernach und Umgebung. Es bleibt stets ein „Risikobetrieb“ – ein reiner „Therapiehof“ könnte wirtschaftlich auf Dauer nicht bestehen.

Können Sie exemplarisch von einer Begegnung zwischen nichtbehinderten und behinderten Kindern berichten? Wie ist der Umgang miteinander?

Integrationstag 2008 – Motto „Zirkus“: Die achtjährige, schwer spastisch gelähmte, im Rollstuhl sitzende, kaum sprechfähige Laura wollte unbedingt „Birkenhain“ besuchen. Als ihre Eltern hörten, dass ein Kinderfest mit einem fest angemeldeten Teilnehmerkreis stattfindet, wollten sie Laura wieder ins Auto setzen. Laura begann zu weinen. Die vielen Kinder, das lustige Treiben und sie sollte wieder nach Hause? Während Lauras Eltern mit vielen guten Worten sie beruhigen wollten, handelte die 9-jährige, nicht behinderte Moni kurz entschlossen: „Du machst doch mit, Laura? Magst du Hunde?“ Laura nickt freudig. Wortlos schob Moni Laura im Rollstuhl an den verdutzten Eltern vorbei zur Kindergruppe und sagte: „Da kommt unsere Hundedompteurin!“ Die Einwände der Eltern nutzten nichts, Laura saß schon mitten in der Zirkustruppe. Zwar hatten Lauras Eltern nur einen Kurzbesuch geplant, fanden aber schnell Anschluss in der Elternschar und erlebten „zum ersten Mal eine glückliche Laura“. Ihre Eltern waren höchst erstaunt: „Wieso kann sie denn jetzt so gut sprechen? Man versteht sie doch sonst fast gar nicht?“ Lauras Eltern wurden prompt von einem nichtbehinderten Kind belehrt: „Wir haben sie alle verstanden, das muss an euch Großen liegen!“

Arbeitskreis Barrierefreie Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn

Arbeitskreis setzt sich erfolgreich für Barrierefreiheit in Enkenbach-Alsenborn ein

Der „Arbeitskreis Barrierefreie Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn“ ist seit seiner Gründung vor sechs Jahren darum bemüht, möglichst alle Bereiche des öffentlichen Lebens frei zugänglich zu gestalten. Gemeinsam mit der öffentlichen Hand und privaten Investoren soll die Barrierefreiheit und somit die Lebensqualität in der Verbandsgemeinde verbessert werden, erklärt Michael Jung, Sprecher des Arbeitskreises. "Ein großer Erfolg ist, dass der Arbeitskreis bei der Planung öffentlicher Baumaßnahmen von Seiten der Behörden mit eingebunden wird." Hierbei könne durch Ortsbegehungen oftmals eine Umsetzung der Barrierefreiheit erreicht werden. So wurde zum Beispiel der Zustand von Straßen, Gehwegen oder öffentlichen Einrichtungen beschrieben und entsprechende Verbesserungsvorschläge gemacht. Hervorzuheben ist in diesem Kontext der behindertengerechte Neubau des Schwimmbades in Enkenbach-Alsenborn sowie die barrierefreie Gestaltung des Bahnhofumfeldes. Im Januar 2008 erhielt der Arbeitskreis vom Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Ottmar Miles-Paul, eine mit 750 Euro dotierte Auszeichnung für besonderes Engagement in der kommunalen Behindertenpolitik.

Um für behinderte und nicht behinderte Bürgerinnen und Bürger ansprechbar zu sein, werden - neben den öffentlichen Sitzungen des Arbeitskreises - regelmäßige Sprechstunden von Siegfried Rauschen, dem ersten Vorsitzenden, abgehalten. In diesen können Probleme erörtert und gegebenenfalls sofort Lösungen gefunden werden. Ein Thema, das oft angesprochen wird, ist das barrierefreie Bauen. Hierbei kann Siegfried Rauschen, selbst körperbehindert, kompetente Ratschläge geben.

Der Arbeitskreis verfasste vor einiger Zeit eine Informationsbroschüre für behinderte Bürgerinnen und Bürger sowie Touristen. In dieser werden die barrierefreien Wanderwege mit Wegweisern, Steigungs- und Kilometerangaben, Parkplätzen, Toilettenanlagen sowie Restaurants- und Beherbergungsbetrieben besonders hervorgehoben. Aufgezeigt werden auch die kritischen Punkte, die für Menschen mit Behinderungen eine Barriere darstellen. Ein weiteres Ziel ist eine Informations- und Sensibilisierungskampagne, um die Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen. Getreu dem Motto „Das geht uns ALLE an“ hofft der Arbeitskreis auf eine breite Unterstützung und weitere Erfolge auf dem Weg zur Barrierefreiheit.

Beauftragter Landkreis Mainz-Bingen

Es war nur ein kurzer Moment und das Leben von Knut Jordan war auf den Kopf gestellt. 38 Jahre sitzt er nun schon im Rollstuhl. Ein Sportunfall hat ihn in diesen gebracht. Doch Resignation ist ein Fremdwort für den Mann aus Stadecken. Der studierte Diplom-Soziologe und -Betriebswirt widmete sich nach seinem Unfall umgehend der Behindertenarbeit. Und bis heute ist er mit großem Erfolg dabei geblieben. Knut Jordan ist Beauftragter für die Belange mobilitätseingeschränkter Menschen des Landkreises Mainz-Bingen.

Bereits ein Jahr nach seinem Unglück fasste er sich ein Herz. „Ich habe eine Selbsthilfegruppe in Heidelberg mitbegründet“, erzählt er. Der damals 21-jährige Student schloss sich mit anderen behinderten Kommilitonen zusammen und ging auf die Straße. „Wir haben auf die Missstände aufmerksam gemacht. Zu viele Barrieren standen uns im Weg.“ Dagegen ging der gebürtige Hamburger mit Entschlossenheit vor. In seiner damaligen Studentenzeit schaffte er es sogar, dass das Schloss Mannheim zu einer barrierefreien Stätte umgebaut wurde. „Das war damals keine einfache Sache“, sagt Jordan heute. Nach der Studienzeit zog es ihn nach Mainz - 30 Jahre lebt er bereits in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. „Ganz klar: Ich fühle mich als Meenzer.“ Seine eigentliche Mission begann eigentlich erst im Rhein-Main-Gebiet. Knut Jordan entfaltete seine Ideen, baute sich ein Netzwerk auf und kämpft für ein erleichtertes Leben für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. „Ich bin sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag in Einsatzbereitschaft. Bei mir klingelt ständig das Telefon.“ Über mangelnde Arbeit kann sich Jordan nicht beklagen. Ganz im Gegenteil. Der 59-Jährige ist froh, dass er zur Verbesserung in der Gesellschaft beitragen kann. „Ich fühle mich wohl, wenn ich anderen helfen kann. Die Dankbarkeit der Bürger bestätigt mich in meinem Tun“, erläutert Jordan. Arztpraxen, Restaurants, Schulen, Bahnhöfe, Museen, Kirchen, Schwimmbäder, Wohneinheiten. Mit all seiner Energie versucht er die Barrierefreiheit in den Köpfen der Menschen als unverzichtbar festzusetzen und Neu- und Umbauten zu veranlassen. „Ein Mensch mit Behinderung hat es schon schwer genug“, macht Jordan klar. „Deshalb möchte ich es ein bisschen einfacher gestalten.“ Der Abbau baulicher Barrieren und die Förderung der Gleichstellung älterer und behinderter Menschen im Landkreis Mainz-Bingen sind ihm jetzt schon in seinen zahlreichen Projekten gelungen. Tausend Ideen habe er noch, die er durchsetzen möchte. Tausend einfachere Wege schaffen und anderer ein Stück Lebensqualität zu geben – das hat sich Jordan vorgenommen. „Ich wünschte, dass auch andere Städte und Kreise in die Barrierefreiheit investieren würden. Gerne unterstütze und berate ich mit meiner Erfahrung“, bietet er an.

Arbeitskreis Stadt Kaiserslautern

Kaiserslautern barrierefrei erleben

In Kaiserslautern leben mehr als 14.000 Bürgerinnen und Bürger mit Behinderungen. Um diesen ein selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen sowie die Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen zu erleichtern, wurde vor mehr als zehn Jahren der Arbeitskreis „Barrierefreie Stadt Kaiserslautern“ ins Leben gerufen. Dort werden von  Mitgliedern der lokalen bzw. regionalen Behindertenverbände und Selbsthilfegruppen als auch von Vertretern aus Politik und Verwaltung Strategien und Projekte zur Umsetzung der Barrierefreiheit entwickelt und begleitet. Neben der Beseitigung vorhandener und der Vermeidung neuer baulicher Hindernisse, der Bereitstellung barrierefreier Angebote in den verschiedenen Lebensbereichen wie Bildung, Kultur, oder Freizeit gehört auch eine nachhaltige Informations- und Sensibilisierungskampagne zu den Aktivitäten des Arbeitskreises. Ziel dieser Kampagne ist es, die „Barrieren in den Köpfen“ abzubauen und somit zu einem gemeinsamen und selbstverständlichen Miteinander beizutragen.

Im Rahmen des Barriereabbaus wurden in den vergangenen Jahren
bereits einige Fortschritte durch das kontinuierliche Engagement des Arbeitskreises erzielt. So findet man in der Innenstadt mittlerweile vier barrierefreie Toilettenanlagen, die mithilfe eines Euroschlüssels kostenlos benutzt werden können. Für blinde und sehbehinderte Mitbürger wurden zentrale Ampeln mit akustischen Signalgebern ausgestattet und ein taktiles Leitsystem auf dem Bahnhofsvorplatz installiert. Weiterhin können Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einen Fahrdienst in Anspruch nehmen. Alltägliche Erledigungen, Arztbesuche oder Behördengänge lassen sich dadurch leichter bewerkstelligen. Außerdem wurde der städtische Busverkehr sukzessiv auf Niederflurbusse mit Klapprampen umgestellt. Unter Mitwirkung des Arbeitskreises wurde schließlich der Stadtführer „Kaiserslautern barrierefrei erleben“ veröffentlicht. Nach dem Motto: Von Menschen mit Behinderungen für Menschen mit Behinderungen beschreibt dieser die Zugänglichkeit von (öffentlichen) Einrichtungen und Dienstleistungsangeboten.

Neben den genannten Beispielen ist der Arbeitskreis "Barrierefreie Stadt Kaiserslautern" bemüht, Bürger für das Thema "Behinderung" zu sensibilieren. Wer einen Rollstuhlparcours absolviert oder in einem Dunkel-Cafè einen Kaffee getrunken hat, weiß, mit welchen alltäglichen Schwierigkeiten sich Menschen mit Behinderungen auseinander setzen müssen. 

Behindertenbeauftragter der Stadt Kaiserslautern

Ein Portrait über den Behindertenbeauftragten der Stadt Kaiserslautern, Hans-Peter Wildt

Seit 1981 setzt sich Hans-Peter Wildt bei der Stadtverwaltung Kaiserslautern für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein. Hierbei spricht er jährlich mit über 3000 Hilfesuchenden und gibt Beratung zu allen behindertenspezifischen Anliegen - telefonisch wie auch persönlich vor Ort. Der 52-Jährige steckt voller Tatendrang und die Liste seiner Erfolge scheint scheinbar endlos zu sein. 

„Mein Anliegen ist, die Sonderstellung von Menschen mit Behinderungen immer mehr abzubauen“, erklärt Wildt. Dies ginge jedoch nur, wenn eine barrierefreie Gestaltung der Umwelt eine Selbstverständlichkeit sei. Zudem müssen Berührungsängste abgebaut werden. Dies funktioniere am Besten durch gemeinsame Aktionen und Aufklärungsarbeit. Ziel seiner Arbeit ist es, die Bildung von Netzwerken durch Einzelbetreuung und den Ausbau von Selbsthilfegruppen zu fördern und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Im Zuge dessen gelang dem Behindertenbeauftragten die Einrichtung und Abwicklung eines Fahrdienstes, die Umsetzung einer barrierefreien Stadtverwaltung, die Publikation eines gemeinsam erarbeiteten Stadtführers für und von Menschen mit Behinderungen, die Gründung von Arbeitskreisen zur Kriminalprävention sowie die Organisation von Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse für Jugendliche mit einem Handicap.

Auch die Integration behinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer liegt Wildt am Herzen. So setzt er sich in der Stadtverwaltung für die Beschäftigung von körperlich und geistig behinderten Menschen ein. Die Stadt Kaiserslautern erfüllt seit Jahren die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderungen, wofür sie 2003 den Landespreis für beispielhafte Beschäftigung erhielt.

Trotz vieler erreichter Ziele gibt sich Hans-Peter Wildt längst nicht zufrieden. Vielmehr sieht er weiteren Handlungsbedarf darin, gemeinsam mit seinem Team, erweitert auf zehn zusätzliche Stellen, über 30 Einzelprojekte aufzugreifen, Lösungsvorschläge zu erarbeiten und in den entscheidenden Gremien zur Entscheidung zu bringen. „Die Projekte umfassen soziale, bauliche und touristische Themen. Daneben wird der Internetauftritt weiter ausgebaut und vieles mehr. Barrieren müssen erkannt, benannt und abgebaut werden“, macht Wildt deutlich. Nur so kann es Menschen mit einer Behinderung erleichtert werden, so unabhängig wie möglich zu leben.

Nach oben