Fazit nach Sommerreise des Landesbehindertenbeauftragten: Inklusiv wohnen ist machbar

„Selbstbestimmt Wohnen, mitten im Quartier, gemeinsam von Menschen mit und ohne Behinderungen, das ist möglich, aber leider immer noch schwierig umzusetzen“, so lautet das Fazit des Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen Matthias Rösch nach seiner Sommertour „Inklusiv Wohnen“. Während seiner dreitägigen Reise besuchte Rösch in Kaiserslautern, Landau, Bad Kreuznach und Trier Menschen mit Behinderungen in ihren Wohnungen und in Wohnprojekten.

Am ersten Tag standen Wohngemeinschaften von Menschen mit und ohne Behinderungen auf dem Programm. In der Wohngemeinschaft im Nordbahnhof in Kaiserslautern wohnen vier junge Menschen mit Behinderungen gemeinsam mit nichtbehinderten Studentinnen und Studenten. Zur Unterstützung steht ein ambulanter Pflegedienst zur Verfügung. Auf ehrenamtlicher Basis mit Aufwandsentschädigung helfen die Studentinnen und Studenten den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern mit Behinderungen. Die von einer Elterninitiative gegründete Wohngemeinschaft wird über die Lebenshilfe Westpfalz koordiniert. In Landau hat die Stiftung Bethesda im Rahmen des Dezentralisierungsprozesses ihrer großen Wohneinrichtung eine gemischte Wohngemeinschaft in gleicher Größe eingerichtet. „Von den Wohngemeinschaften bin ich sehr beeindruckt. Sie sind besonders für junge Menschen mit Behinderungen eine gute Alternative zum Wohnheim. Diese innovativen Wohnprojekte sind mit bewundernswert viel Engagement initiiert und betrieben, allerdings noch viel zu selten und zu aufwändig umzusetzen. Hier wünsche ich mir ein unbürokratischeres Vorgehen, mehr Unterstützung durch die Kostenträger und bessere Beratungsangebote für die Wohnprojekte. Dafür will ich mich einsetzen“, stellte der Landesbeauftragte fest. In Landau besuchte er außerdem Menschen mit Behinderungen in Wohngemeinschaften und Wohnungen des CBF (Club Behinderter und ihrer Freunde) Südpfalz. Bestehende Wohnungen wurden durch einen Außenlift und Badumbau barrierefrei umgebaut und ermöglichen so ein selbstbestimmtes Leben für die Bewohnerinnen und Bewohner.

In Bad Kreuznach traf Rösch, der selbst auf den Rollstuhl und Persönliche Assistenz angewiesen ist, Menschen mit Behinderungen, die mit dem Arbeitgeberinnen- und Arbeitgebermodell Persönliche Assistenz und dem Persönlichen Budget ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden und in der Gemeinde führen. So auch Marianne Münz, die nach über 30 Jahren aus dem Wohnheim der Kreuznacher Diakonie ausgezogen ist. Beim Abschlussgespräch im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Bad Kreuznach wurde der Unterschied zwischen dem Wohnheim und der eigenen Wohnung mit Persönlicher Assistenz deutlich formuliert: „Ich kann selbst entscheiden, wann ich auf die Toilette gehe“, machte eine Assistenznehmerin klar. Eine barrierefrei und bezahlbare Wohnung zu finden, ein Team von Assistentinnen und Assistenten aufzubauen und die Zusagen der Kostenträger einzuholen, diese Aufgaben sind von den Menschen mit Behinderungen mit persönlicher Assistenz zu erfüllen. „Mit dem Zentrum für selbstbestimmtes Leben Bad Kreuznach haben wir ein gutes Beratungs- und Unterstützungsangebot, das bei den bürokratischen Schwierigkeiten und der Personalabrechnung hilft. Die Lebensqualität für die Menschen mit Behinderungen mit Persönlicher Assistenz steigt enorm, der Aufwand lohnt sich. Diese guten Erfahrungen müssen wir bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und der Neubestimmung des Trägers der Eingliederungshilfe in Rheinland-Pfalz einbeziehen, damit die Möglichkeiten mit dem Persönlichen Budget und dem Arbeitgeberinnen- und Arbeitgebermodell Persönlicher Assistenz selbstbestimmt zu leben, flächendeckend in Rheinland-Pfalz angeboten werden kann“, erklärte der Landesbehindertenbeauftragte.

Wohnen im Quartier bietet die WOGEBE Wohnungsgenossenschaft Trier in der Thyrsusstraße an. Dieses gemeinschaftliche Wohnprojekt bildete den Abschluss der diesjährigen Sommerreise des Landesbeauftragten. Hier wurde von Anfang an gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern, Familien und Alleinstehenden, Älteren und Jüngeren, Menschen mit und ohne Behinderungen das Konzept erstellt und geplant. Die auf Kommunikation und Barrierefreiheit ausgelegte Bauweise überzeugt, in dem Gemeinschaftsraum finden gemeinsame Aktivitäten statt. Beim Gespräch mit der Bürgermeisterin und Sozialdezernentin der Stadt Trier, Elvira Garbes, dem städtischen Behindertenbeauftragten Gerd Dahm und Vertreterinnen und Vertretern des Behindertenbeirates der Stadt Trier wurden aktuelle Themen zu Wohnen, aber auch zur Teilhabe am Arbeitsleben und zur inklusiven Bildung besprochen. „Die Kommunen sind wichtiger Partner mit ihrer Planungshoheit und den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften für die Schaffung von barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum. Die soziale Wohnraumförderung des Landes wurde gelobt, allerdings brauchen wir die Kommunen mit ihren Möglichkeiten, um mit unserer Förderung den entsprechenden Wohnraum vor Ort schaffen“ erläuterte Rösch. Zum Abschluss der Sommerreise besuchte Matthias Rösch eine neue Demenz-Wohngemeinschaft für ältere Menschen mit Behinderungen.

„Bei meiner Sommerreise habe ich viele gute Beispiele für inklusives Wohnen kennengelernt und Menschen mit Behinderungen getroffen, die ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Einrichtungen führen. Sie machen vor, wie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen konkret umgesetzt werden kann. Mit der Ausführung des Bundesteilhabegesetzes in Rheinland-Pfalz haben wir die Möglichkeit, inklusives Wohnen zu erleichtern und damit gleichwertige Lebensverhältnisse für die Menschen mit Behinderungen im Land zu erreichen“, bilanzierte Rösch.